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Reformationstag 2026 – „Du glaubst nicht immer an Gott, aber Gott an dich.“
Was gibt uns Kraft und Hoffnung, wenn das Leben schwierig wird? Ein seelsorgerliches Gespräch führt Ulrike Zielke zu einer überraschenden Begegnung mit dem Segen Gottes – und zu Martin Luther.
Du glaubst nicht immer an Gott, aber Gott an dich.
Gerade hat mir die Angehörige einer Patientin im seelsorgerlichen Gespräch gesagt, dass sie selbst nicht an Gott glaube. Daraufhin habe ich sie gefragt, was ihr in schwierigen Situationen im Leben Kraft und Hoffnung gibt. Da ist ihr auch einiges eingefallen. Nun gehen wir auseinander.
Ich verabschiede mich, und es rutscht mir heraus: „Gottes Segen für Sie.“ Oje, denke ich, nun hat sie doch gerade gesagt, dass sie bewusst auf einen Glauben an Gott verzichtet. „Ich meine natürlich: Alles Gute für Sie!“, sage ich.
„Nein, es ist schon okay“, sagt sie: „Es fühlt sich doch gut an, so wie Sie es sagen. Danke!“
Als ich danach wieder im Haus unterwegs bin, denke ich an einen Satz, den ich vor sehr langer Zeit zum Glauben an Gott gehört habe: „Du glaubst nicht immer an Gott, aber Gott an dich.“
Gott hat zuerst an uns geglaubt - als wir, die wir nun auf ihn hoffen, noch nicht gläubig, vielleicht noch nicht einmal am Leben waren. Und wir, wir können auch an ihn glauben und auf ihn hoffen. Allerdings ist Gott nicht jemand, der sein Mit-uns-Sein - wie in einem Tauschgeschäft - feilbietet.
Verstehen tue ich den Wunsch gleichwohl schon. Ich kenne es auch aus meinem Glauben: Wenn ein und eine von uns Mitarbeitenden im Krankenhaus schwer erkrankt, ist mein erster Impuls zu denken: „Uns müsste es doch eigentlich verschonen! Uns, die wir in besonderer Weise für andere Menschen sorgen!“ Doch Gott ist keiner, mit dem wir einen „Deal“ machen können.
In anderer Perspektive bedeutet das aber auch: Wir müssen uns Gottes Zuwendung nicht erarbeiten. Ja, es ist gut, wenn wir im Gebot der Nächstenliebe für andere Menschen da sind. Was wir da tun, ist aber nicht Gott gegenüber aufrechenbar. Es ist vielmehr anders herum: Weil Gott uns in Jesus Christus zuerst geliebt hat, sind wir aus Nächstenliebe für andere Menschen da.
Für den mittelalterlichen Menschen war das ein zentrales religiöses Thema: „Wie kann ich vor Gott bestehen, um das ewige Leben zu erlangen?“ Es ist der Mönch und spätere Priester und Doktor der Bibelwissenschaft Martin Luther, der eine eigene Antwort findet, die später die evangelische Kirche begründet. Er beruft sich hierbei auf den Brief des Paulus an die Römer (1,17): Der Mensch wird nicht durch Werke, sondern aus Glauben gerecht.
Am 31. Oktober gedenken wir Martin Luther und dem, was durch ihn heute für uns so selbstverständlich ist: Wir stehen nur durch unser Gewissen gebunden frei im Glauben an Gott. Und hiermit hat er auch den Weg eröffnet für die, die nicht glauben wollen. Das Ist Freiheit in Jesu Christi vor Gott.
Pastorin Ulrike Zielke, Krankenhausseelsorgerin im Evangelisches Amalie Sieveking Krankenhaus